Stimme im Konflikt

 In Atmung, Entspannung, Innere Haltung, Kommunikation, Körpersprache, Sonstiges

Konflikte kennen wir alle. Sie gehören zu unser aller Leben dazu, sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext. Auf unterschiedlichsten Ebenen können wir Konflikte beobachten, auseinander pflücken und analysieren – natürlich auch auf der stimmlichen Ebene. Kommunikation, Beziehungsgeflecht, Emotion und vieles mehr sind mindestens genauso wichtig, spannend und entscheidend, diese Aspekte klammern wir an dieser Stelle jedoch bewusst aus. Wer mehr dazu wissen möchte, der findet HIER einige interessante und hilfreiche Artikel.

Was können wir bei Stimme und Sprechweise im Konflikt beobachten?

Sicherlich hast Du selbst schon mal bemerkt, dass sich Deine Stimme und Sprechweise in einer Konfliktsituation verändert, oder? Oder Dich gewundert, weil der Kollege oder Freund plötzlich ganz anders gesprochen hat…

Sprechstimmlage

Sehr auffällig und häufig zu bemerken ist die Veränderung der Stimmlage, in der im Konflikt gesprochen wird. Durch eine Überspannung und erhöhte Atmung rutscht die Sprechstimmlage ein paar Töne hoch. Gerade bei Frauen können wir das Muster beobachten und häufig wird die Frau dann als hysterisch oder keifend wahrgenommen. Es kann jedoch auch sein, dass besonders tief gesprochen wird, um Macht und Dominanz auszustrahlen. Dieses Phänomen beobachten wir dann eher beim männlichen Geschlecht…

Lautstärke

Im Konfliktgespräch erheben wir meist die Stimme, wir werden lauter. Wird sich ins Wort gefallen, versuche ich mit Lautstärke meinen Konfliktpartner zu übertönen und meinen Standpunkt durchzusetzen. Nicht selten endet ein hitziges Argument in lautem Schreien, weil sich die Beteiligten gegenseitig anstacheln.

Aussprache

Auch die Aussprache der Wörter kann sich verändern. Entweder es wird deutlicher und übertrieben artikuliert oder aber unscharf und nuschelig. Je nachdem, ob ich im Konflikt gehört werden möchte oder aber auch nicht. Und auch abhängig von der Emotion, die dahinter steckt. Emotionen sind, wie ihr vielleicht schon wisst, ein ganz entscheidender Einflussfaktor auf unsere Stimme und Sprechweise. Gerade im Konflikt kochen die Emotionen hoch – verstärken sich also. Sie spiegeln sich unmittelbar im Stimmklang und können uns somit also auch deutliche Hinweise auf die Gefühlswelt unseres Gesprächspartners bieten – wenn wir aufmerksam sind und hinhören.

Atmung

Unter Stress verändert sich unsere Atmung. Unser Gehirn schaltet einfach wieder in den „Säbelzahntiger-Modus“, sprich unsere Instinkte übernehmen die Führung. Die Atmung wird flach und schneller, unser gesamter Muskeltonus erhöht sich. Da eine sichere und klangvolle Stimme eine tiefe und entspannte ökonomische Atmung braucht und gleichzeitig eine ausbalancierte Muskelspannung im gesamten Körper, fehlt in Stresssituationen der Treibstoff und die Grundlage für die Stimme. Deshalb verändert sich auch folgender Aspekt…

Stimmklang

Ohne die gleichmäßige und tiefe Atmung und einen ausbalancierten Körper, verändert sich der sonst sichere und resonanzreiche Stimmklang in einen gepressten, angespannten, vielleicht auch heiseren oder harten Klang. Die souveräne und gelassene Stimme verwandelt sich in eine aggressive, unsichere, überspannte oder wütende Stimme.

Erkennst Du Dich, oder besser gesagt, Deine Stimme und Sprechweise in dem ein oder anderen besprochenen Aspekt wieder? Wie wirkt sich der Stress, der in der Konfliktsituation häufig entsteht, auf Dich, Deine Stimme und Deinen Körper aus? Gerade Lautstärke und hysterisch klingende Stimmen heizen die Diskussion oder das Streitgespräch auf und bringen eine andere Dynamik in den Konflikt. Die Gesprächspartner fühlen sich gegenseitig angegriffen, alles „schreit“ nach Alarmstimmung und Gefahr. Im Umkehrschluss kann ich also auch mit einer bewusst ruhigen und souveränen Stimme und Sprechweise den Konflikt beruhigen oder auf eine sachliche Ebene führen. Wichtig zu wissen…

Was kannst Du tun, um aus dem angespannten, veränderten Stimmklang wieder zu entfliehen?

Das Bewusstsein für die eigene Stimme, den Körper und auch die Emotionen ist, wie so häufig, die Basis. Wenn ich frühzeitig Anspannungen und aufsteigende Gefühle identifizieren kann, gelingt das bewusste Eingreifen in den sonst so unbewussten, reflektorischen Prozess. Dafür braucht es einen achtsamen Umgang mit Dir und Deinem Körper. Wichtig ist, dass Du diese Grundlage schon vor dem nächsten Konflikt erarbeitet hast. Achtsamkeitsübungen kannst Du jederzeit in Deinen Alltag einbauen und in vielen Gesprächssituationen bewusst üben. Welche Emotionen kannst Du identifizieren? Verändert sich Deine Lautstärke, Aussprache, Stimmlage, vielleicht Dein Sprechtempo? Nimm jede kleine Veränderung wahr. Du kannst auch bei Deinem Gesprächspartner Veränderungen beobachten, auch so lernst Du achtsam und bewusst mit Stimme und Körpersprache umzugehen.

Die eine Lösung gibt es wohl leider nicht… Jeder darf für sich ausprobieren, was in dem Moment hilft. Vielleicht ist es ein besonderes Bewusstsein für eine tiefe Atmung. Vielleicht funktioniert das Entspannen des Körpers, insbesondere der Bauchmuskulatur, um der Atmung wieder Raum zu schaffen. Vielleicht ist es ein Wiederfinden des stimmlichen Heimathafens. Vielleicht ist es für Dich leichter, über die Emotionen zu gehen.

 

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