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Angst – Freund oder Feind?!

 In Sonstiges
Niemand will Angst haben. Angst, wenn man sie fragt, und immer weiter fragt, ist immer die Angst vor einem Tod.
Entweder geht es wirklich um unseren Körper, der sterben könnte, oder sich verletzen, oder es geht um etwas, dass ein wenig abstrakter ist, aber doch unser tägliches Handeln und Fühlen maßgeblich beeinflusst: Den drohenden sozialen Tod.

Was ist der „Soziale Tod“?

Wenn wir Angst haben, etwas falsch zu machen, geht das zurück auf die Zeit, in der wir in Stammesverbänden in der Wildnis gelebt haben. Zogen wir uns den Unmut der Gruppe zu, wurden wir vielleicht rausgeschmissen – und das war in Zeiten von Säbelzahntigern und fehlendem Sozialstaat in den meisten Fällen ein klares Todesurteil. Es geht unserem Stammhirn (der älteste Teil unseres Gehirns, der für unseren Basisschutz, den Flucht/Kampf/Lähmungsreflex zuständig ist) also sogar beim Fehler machen darum, uns am Leben zu erhalten.
Hm. Ist zum großen Teil heutzutage kontraproduktiv, würde ich mal sagen. Und trotzdem kann man ja mal danke sagen. Danke, liebes Stammhirn, dass Du Dich nach all den Jahrtausenden immer noch so gut um uns kümmerst!
Denn unangenehm ist es immer noch, wenn wir uns vor der Gruppe blamieren, wenn unser Netzwerk und Loyalitäten in Gefahr sind, wenn wir Status in der Gruppe verlieren. Und wenn wir davon ausgehen, dass der Mensch ein Herdentier ist und in der Regel andere Menschen braucht, um zu gedeihen, ist das eben auch (über-)lebenswichtig.
Angst ist doof. Angst ist ein unangenehmes Gefühl, das Muskel(ver)spannungen, Schweißausbrüche, unkontrolliertes Zittern, Übelkeit und vorübergehenden Blackout im Gehirn verursachen kann. Wer will das schon.
Angst kann uns sabotieren, besonders in Situationen, bei denen uns das Ergebnis wichtig ist. Zum Beispiel beim ersten Date, beim Vorstellungsgespräch, bei der Prüfung oder einer wichtigen Präsentation. Angst zu zeigen heißt Schwäche zu zeigen, und Schwäche ist in den allermeisten Kreisen immer noch gleichbedeutend mit Inkompetenz. Inkompetente Menschen werden wiederum als nicht so wertvoll angesehen wie kompetente (auch wenn das unfair ist!). Und das läßt bei uns den Rückschluss entstehen: „Wenn ich nicht stark/kompetent bin, bin ich nicht GENUG.“ Nicht selbstbewusst genug für das Date, meine Arbeit ist die Promotion nicht wert, die Gruppe will mich nicht, weil ich zu schwach bin.
Also haben wir Angst davor, Fehler zu machen, Schwäche zu zeigen. Weil ein sozialer Tod droht.
Wenn wir etwas noch nie gemacht haben, sind wir aber von Natur aus inkompetent. Wir wissen nicht, was passiert, wenn wir etwas zum ersten Mal ausprobieren. Vielleicht, ganz vielleicht, könnten wir uns wehtun oder sterben. Beim Singen und Sprechen ist dieses Risiko minimal. Aber: Es ist extrem wahrscheinlich, dass wir nicht so klingen, wie wir es gern hätten. Dass wir Fehler machen!
Aber – das dürfen wir ja nicht, weil Blamage droht. Also haben wir auch Angst vor etwas Neuem, vor etwas Unbekanntem.
Vielleicht sogar vor uns selbst? Vielleicht sind wir ja ganz anders als wir uns bisher kennen? Und wenn wir das wissen, können wir nicht mehr die alten sein. Dann müssen wir vielleicht Dinge ändern!
Oh, und Veränderung ist unbequem, stimmt’s?
Und hier kommt ein anderer Aspekt ins Spiel:

Was ist, wenn Angst ein Wegweiser sein kann?

Ein Kompass, der uns den Weg aus unserer Komfortzone zuverlässig anzeigt?
Der uns hilft, die wichtige Themen in unserem Leben aufzuspüren, die die wir immer vermeiden, aber die wir anpacken müssen, wenn sich etwas ändern soll?
„Fear is a friend who’s misunderstood“ singt John Mayer in „Heart of Life“, und dieser Satz ist ganz oft in meinem Hinterkopf, wenn ich merke, dass mich eine Situation oder ein Gedanke nervös macht und mir hundert Gründe in den Kopf schießen, warum ich etwas nicht wagen sollte.
Denn natürlich kann es sein, dass mich die Angst vor einer realen Gefahr warnt. Aber es kann auch sein, dass ich nur den Schritt ins Unbekannte nicht wagen will – obwohl ich weiß, dass keine wirkliche Lebensgefahr besteht. Nur die Möglichkeit, dass ich mich außerhalb meiner Komfortzone wieder finde, mitten in meiner Inkompetenz, zwischen lauter Fettnäpfchen.
Ich sage das so oft zu meinen Schüler*innen: Es ist egal, was bei diesem Experiment herauskommt. Niemand stirbt – wir sind ja keine Chirurgen, sondern Sänger…
Also, raus aus der Komfortzone. Folgt der Angst – in neues, noch unbekanntes Territorium. man weiß nie, was man dort für Schätze findet!

 

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