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Bitte mal zuhören! Unser wichtigstes Kommunikationswerkzeug?

 In Allgemein, Business, Gehirn, Innere Haltung, Kommunikation, Reden, Richtig Reden, Sonstiges

Reden ist silber, Nachfragen ist Gold.

Zu Anfang muss ich (leider ;-)) mal mit einem hartnäckigen Klischee aufräumen: „Männer können nicht zuhören“, wird immer wieder behauptet – dabei können Männer seit jeher BESSER zuhören als Frauen – zumindest was die Wahrnehmung von akustischen Signalen angeht. Wahrscheinlich weil auf der Jagd Beutetiere schneller bemerkt wurden, wenn man seinen Hörsinn auf bestimmte Geräusche ausrichten konnte, können Männer auch heute noch bei hoher Umgebungslautstärke leichter wichtige Inhalte herausfiltern und aufnehmen.
Das soziale Zuhören, eine empathische Fähigkeit, die emotionale Zustände mit interpretiert, ist aber den „Beziehungsträgerinnen“ in der Gemeinschaft leichter zugänglich – nicht immer einfach in der wechselseitigen Kommunikation…

Nichtsdestotrotz ist es für beide Geschlechter gleich wichtig, zuhören zu können, denn wer zuhören kann, kann leichter überzeugen und wird als intelligent und kommunikativ wahrgenommen:
Wer gut zuhören kann, erfährt mehr und handelt danach auf einer breiteren Wissensbasis. Das gilt sowohl für Deine Mitarbeiter als auch für Deine Kunden!
Wer gut zuhören kann, zeigt dem anderen seine Wertschätzung und wird deswegen auch selbst mehr geschätzt. Außerdem helfen wir dem anderen und uns selbst dabei, uns besser zu fokussieren und klarere Gedanken zu fassen.
Wer gut zuhören kann, wird übrigens nicht als Mauerblümchen wahrgenommen, sondern als besonders angenehmer, starker und selbstsicherer Gesprächspartner!

„Der Zuhörer ist ein schweigender Schmeichler.“  Immanuel Kant

„Richtig“ zuhören bedeutet vor allem „aktiv zuhören“

Hier gibt es tatsächlich ein paar Regeln, die man beachten sollte, wenn man ein guter Zuhörer werden möchte:
1. Nicht reden. Also wirklich mal nicht. Schon gar nicht unterbrechen. Auch mal versuchen, seine eigene Meinung zurückzustellen und seinen gesamten Fokus auf die andere Person und seine/ihre möglichen Beweggründe und Fragestellungen zu richten.

2. Die gesamte Person wahrnehmen. Achte auf die Körpersprache und Mimik des anderen, aber auch auf die Wortwahl und den Stimmklang: Über diese Hinweise kannst Du vielleicht herausfinden, ob Dein Gesprächspartner die Wahrheit sagt, ob er übertreibt oder etwas verschweigt.

3. Achte auch auf Deine eigene Körpersprache! Halte Dich so, dass Dein Gegenüber einen entspannten, offenen Eindruck von Dir hat. Ungeduldiges Zappeln oder verschränkte Arme signalisieren nicht, dass Du Dich in der Situation wohlfühlst und dort verweilen möchtest, solange der andere seine Geschichte erzählt.

4. Frage nach! Wenn Du etwas nicht verstanden hast, frage zum Beispiel: „Habe ich das jetzt richtig verstanden, dass…“ oder „Meinen Sie damit, dass…“. Auch Verständnissignale machen es dem Sprechenden leichter: „Du bist also frustriert, weil…“ oder  „Ich habe jetzt verstanden, dass Dir wichtig ist, dass…“ So weiß der andere, dass Du zugehört hast, merkt aber auch, wenn etwas nicht klar ausgedrückt worden ist oder ein Missverständnis vorliegt.Eine andere wichtige Frage beim Zuhören ist die weiterführende Frage: Sie veranlasst den Erzählenden, das Gesagte zu vertiefen und detaillierte Informationen zu vermitteln. Beispiel: „Und was gefällt Ihnen so besonders daran?“ „Warum haben Sie sich gerade für X entschieden?“
5. Nicht bewerten! Nimm Deinen Kritiker an die kurze Leine und zieh ihm einen Maulkorb an, denn wenn Du möchtest, dass Dein Gesprächspartner redet, darf er oder sie keine Angst vor Deiner Meinung haben. Wenn das passiert, macht derjenige „zu“, ist also nicht mehr offen und ehrlich  zu Dir, sondern präsentiert Dir nur die Fakten, die eine „gute“ Bewertung von Dir bekommen werden – und Du erfährst einfach nicht die ganze Wahrheit! Wenn Du Deine eigene Meinung zu dem Thema loswerden möchtest oder besser: danach gefragt wirst, formuliere offen und aus einer Ich-Perspektive: „Ich finde Deinen Standpunkt interessant, bin aber nicht (ganz) Deiner Meinung.“ „Ich kann Dir gerade noch nicht in allen Punkten zustimmen, aber ich möchte gern wissen, wie Du Deinen Standpunkt begründest.“
6. Bleibe offen!Werde nicht ungeduldig, wenn Du einen Sachverhalt oder die Beweggründe des anderen nicht sofort verstehst. Frage (mal wieder) nach: „Das habe ich noch nicht ganz verstanden, bitte erklär das nochmal.“ „Was meinst Du denn genau damit?“ oder so ähnlich.
Lass dem anderen seine Kompetenz. Streite Dich nicht (auch nicht in Gedanken) über Geschmack oder darüber, welches Hobby/welcher Fachbereich interessanter ist, sondern toleriere und wertschätze, dass ihr unterschiedliche Vorlieben oder Kompetenzen habt! Zwei wunderbare Sprichwörter für wertschätzende Kommunikation: „Jedem Tierchen sein Pläsierchen“ und „Viele Wege führen nach Rom“…
7. Sei neugierig! Interessierst Du Dich wirklich für Deinen Gesprächspartner und seine Themen? Wenn nicht, wird er das höchstwahrscheinlich so oder so merken… Es ist möglich, sich eine grundsätzlich menschenfreundliche Geisteshaltung der Akzeptanz und Neugier auf den anderen anzueignen, die auch Gespräche mit scheinbar langweiligen oder völlig verrückten Menschen einfacher  und sogar spannend und schön macht. Mach es zu Deiner Mission, schöne und interessante Dinge über jeden Gesprächspartner herauszufinden und ihre Schokoladenseiten zu entdecken. Durch eine positive und wertschätzende Haltung kommen diese Eigenschaften einfach schneller zum Vorschein…

Wie werde ich denn jetzt zum guten Zuhörer?!

Wie mit so vielen Dingen im Leben: Durch Gewohnheit. Als ersten Schritt: Beginne Dich zu beobachten.

Wann und wem kannst Du gut und aktiv zuhören, wann nicht?
Bist Du eher ein taubes Ohr, ein Bewerter oder hörst Du nur das, was Du hören willst?
In welchen Rollen überwiegt welcher „Typ“?

Wenn Du Dir bewusst geworden bist, welche Gewohnheiten Du hast, verändere sie mit kleinen Schritten. Bei welchem Gesprächspartner nervt Dich Dein eigenes Verhalten am meisten? Nimm Dir eine typische Situation vor und analysiere sie. Was löst bestimmte Verhaltensweisen aus? Was kannst Du anders machen? Übe neue Formulierungen ruhig laut und wende sie dann einfach bei der nächsten Gelegenheit mal an. Oft ist dann schon ein Teufelskreis durchbrochen, der andere reagiert auch nicht „wie sonst“ und Du bist einen Schritt weiter.

Nach ein paar Wochen des Ausprobierens frage Dich noch mal bewusst: Was konnte ich verändern? Was haben die Veränderungen bewirkt? Wo ist noch Raum nach oben?

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Zuhören und freuen uns über Kommentare!

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