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Mama oder Manager? Papa oder Profi?

 In Business, Frauen, Gehirn, Innere Haltung, Sonstiges

Wie wir unsere multiplen Persönlichkeiten kunden- und familienfreundlich unter einen Hut bringen

Deutschland, Montagmorgen, 7:30 Uhr: Nach 90 Minuten Morgenrummel sind die Kinder in der Schule/im Kindergarten/bei der Tagesmutter und wir lassen uns auf einen Stuhl/ins Auto plumpsen. Erschöpft. Um halb acht?! Okay, die Nacht war nicht perfekt, aber in Ordnung. Der Kaffee war auch stark genug, das Frühstücksgeschirr ist schon in der Spülmaschine verschwunden. Trotzdem: Familie und Beruf gleichzeitig hatten wir uns irgendwie entspannter und harmonischer vorgestellt…

Jede/r von uns, der Kinder hat und gleichzeitig berufstätig ist, kennt diese Situation: Gerade noch war Alarmstufe rot zuhause, bei den Kindern, bei der Logistik mit dem Partner oder Babysitter. Und kurze Zeit später sollen wir mit Krawatte oder Bleistiftrock dem Klienten das neue Produkt vorstellen? Das geht irgendwie nicht. Oder doch? Muss halt. Aber ob der Klient den Breifleck auf der Hose kompetent findet…? Und den Tonfall, in dem ich meinem Kind erkläre, dass es wirklich nicht ohne Schuhe rauskann, wenn es unter Null ist, kann ich auch nicht wirklich bei der Beratung der Neukunden brauchen!

Wenn wir Eltern werden, werden wir unweigerlich ein oder mehrere neue Rollen in unserem Leben leben (müssen). Natürlich die als Mama oder Papa, manchmal auch die von Familienmanagerin, Schiedsrichter, Putzfrau oder Ähnlichem. Nach einer Zeit der Eingewöhnung klappt das meistens auch ganz gut. Unsere Rollen aus der kinderlosen Zeit kennen wir ja noch: repräsentative Empfangsdame, kompetenter Fachmann für XYZ, immer wortgewandt, gut vorbereitet, tadellos gekleidet, produktiv und flexibel. Aber irgendwie scheinen unsere neuen Rollen unsere Kapazitäten für die alten aufzufressen. Oder ist das der Schlafmangel? Vielleicht die Stilldemenz? Jedenfalls können wir uns gerade nicht vorstellen, in 20 Minuten top frisiert die Quartalszahlen zu präsentieren. Allein das Frisieren würde eine Viertelstunde in Anspruch nehmen. Und die Notizen… wo sind…? Mist!

Was tun?! Es muss sich was ändern, diesen Stress halten wir nicht viel länger aus! So macht das nämlich keinen Spaß, zu arbeiten. Von wegen Selbstverwirklichung und so…

Gott sei Dank sind wir nicht die ersten, denen das passiert. Und es gibt Wege zu einem gut sortierten Portfolio an Rollen und Mindsets, die fast so gut sind wie sich selbst zu klonen… 😉

Hier sind unsere Hacks:

Be in the moment.

Werde Dir der Rollen bewusst, die Du in den verschiedenen Lebensbereichen einnimmst. Versetze Dich dafür ruhig an den jeweiligen Ort und in die Situation. Was erwarten Deine Familie, Dein Partner, Deine Kinder von Dir? Wie musst Du zuhause sein, damit alle entspannt und zufrieden sind? Dasselbe gilt für Deinen Chef, Deine Kollegen oder Kunden. Welches Outfit gehört wo hin? Auf was solltest Du Dich konzentrieren, was erfordert unbedingt Deine Aufmerksamkeit? Das Bewusstmachen der Anforderungen, die an Dich gestellt werden, hilft einzuschätzen, was die Schnittmengen und was die Unterschiede sind. Überprüfe Körpersprache, Denkweise, Wortwahl und Sprachmelodie. Und mach am besten direkt eine Liste. 😉

Think before acting.

Es gibt ein interessantes Tool, um den Rollenwechsel vorzunehmen, das sich beliebig Deinen Wünschen und Anforderungen beugt: „Think-Kärtchen“ . Das sind einfach Karteikarten, auf die Du notieren kannst, was Du denken willst, wie Du Dich verhalten willst. Du kannst es als kleine Regieanweisung betrachten. Diese Kärtchen kannst Du immer mit Dir herumtragen, so lange, bist du den Wechsel auch so beherrschst. Auf diese Kärtchen schreibst Du, was Deine jeweilige Rolle ausmacht, was sie denkt und fühlt.

Beispiel:

Susanne, 34, Kundenbetreuerin in einem Technologieunternehmen, schreibt auf ihr „Arbeitskärtchen“:  „Ich kenne mich mit den Produkten und den Abläufen sehr gut aus. Ich freue mich darauf, meinen Kunden bei ihren Fragestellungen und Entscheidungen behilflich sein zu dürfen. Ich bin dankbar, Teil eines guten Teams zu sein. Ich bin freundlich und hilfsbereit. Ich bin kompetent und trage Verantwortung. Ich freue mich auf meine Kollegen. Es ist mir eine Ehre, diese Aufgabe erfüllen zu dürfen und ich tue mein Bestes, um ein gutes Bild des Unternehmens nach außen zu vermitteln. Heute stehen folgende Aufgaben an: …“
Wenn Susanne nach Hause kommt, ist sie Mama von zwei kleinen Kindern und Partnerin ihres Mannes. Auf ihr „Familienkärtchen“ kommt zum Beispiel: „Ich liebe meinen Mann. Ich liebe meine Kinder. Ich freue mich, nach Hause zu kommen. Ich freue mich darauf, die Erlebnisse unseres Tages zu teilen. Ich bin dankbar für die Liebe, die ich jeden Tag erfahren darf und gebe sie gern zurück. Ich sorge gern dafür, dass es meinen Kindern und meinem Mann gut geht. Der weitere Ablauf des Tages sieht so aus: …“

Du könntest Dir natürlich alternativ auch ein Sprachmemo aufnehmen. Und einen Soundtrack zusammenstellen, mit Songs, die Dich in die richtige Stimmung bringen.

Take time out.

3.  Die Voraussetzung dafür, dass diese Kärtchen funktionieren, ist, dass Du Dir kurz Zeit nimmst, Dich wirklich auf die Inhalte zu konzentrieren. Das geht eigentlich gut, wenn Du einen Arbeitsweg hast. In Bus oder Bahn lässt sich der Wechsel gut bewerkstelligen, und auch im Auto hat man genug Gehirnkapazität übrig, um die entscheidenden Sätze im Kopf durchzugehen oder noch wirksamer: Laut zu sagen. 3-10 Minuten Konzentration reichen in der Regel aus, um auch mit belastenden Situationen vorläufig abzuschließen und sich auf die kommenden Aufgaben in der anderen Rolle zu fokussieren. Du arbeitest von zuhause aus? Dann ist der Wechsel noch schwieriger, denn Dir fehlt schonmal eine eindeutige Änderung der Umgebung. Gestalte den Wechsel dann wie eine Meditation und nimm Dir in Deinem Arbeitszimmer die nötigen Minuten Zeit.

Leave it behind.

4. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber grundsätzlich gilt: Ärger und Frust mit Chef und/oder Kunden sollten wir nicht in Streitigkeiten, Strenge und Jähzorn zuhause ausleben. Wir sollten unsere (kleinen) Kinder nicht die stressigen Tage am Arbeitsplatz spüren lassen. Natürlich tut es gut, beim Partner auch mal Dampf abzulassen. Aber Dein Arbeitsalltag sollte nicht die Atmosphäre in Eurem Zuhause bestimmen. Genauso gilt es andersherum: Wenn die Kinder krank sind, lässt sich ein gewisser „Überhang“ von Schlafmangel und Sorge nicht ganz verhindern. Aber es ist auch anstrengend, wenn Gedanken an Kita-Probleme, vollgekotzte Betten und Geburtstagsgeschenke Deinen Kopf beherrschen, wenn eigentlich das neue Marketingkonzept für die Lifestylesocken für Singles dran ist… Finde also vor dem Wechsel in die neue Rolle einen Satz, mit dem Du das Vorherige abschließt. Zum Beispiel: „Kunde XY hat mich heute wirklich genervt. Ich koche immer noch vor Wut. Aber das ist jetzt nicht mehr wichtig, ich kümmere mich morgen darum. Jetzt ist erstmal Zeit für den Geburtstagskuchen von Sofie.“

Wichtig: Nimm die belastenden Gefühle wahr und akzeptiere, dass sie gerade noch eine große Bedeutung für Dich haben. Und dann gib ihnen ein „Zuhause“, versichere Dir, dass Du Dich zu einem anderen Zeitpunkt mit ihnen befassen wirst, dass sie aber nicht unwichtig sind. Und dann: Move on.

It´s the little things.

Kleider machen Leute. Ein bestimmtes Outfit kann wie ein Kostüm in einem Theaterstück wirken und nicht unwesentlich zur Rolle beitragen. Wir fühlen uns mit Jogginghose anders als im kleinen Schwarzen mit Perlenkette. Und den Unterschied merken auch alle anderen.
Umziehen und hübsch machen erfordert zwar ein paar Minuten Zeit, aber da kannst Du ja schonmal Deine Sätze für die nächste Rolle wiederholen…

Rituale machen den Wechsel mit der Zeit immer selbstverständlicher und einfacher. Versuche, eine Regelmäßigkeit in die Abläufe zu bekommen, dann ist es irgendwann sonnenklar, dass der morgendliche Anziehstress in eine entspannte Autofahrt zum Arbeitsort mündet, auf der Du auch noch Deine tägliche Dosis Fortbildung (über Hörbücher), Stimmtraining (siehe hier) und Powersongs mitkriegst. Und auf dem Rückweg kannst Du im Stau ein bisschen bei entspannter Musik oder einem Roman relaxen, bevor Dich das bisschen Haushalt bis 21 Uhr auf den Beinen hält…

Der Rollenwechsel bringt dann automatisch eine angepasste Verhaltensweise hervor, die sich in Haltung, Stimme, Sprache, spezifischen Reaktionen und sogar Gefühlen ausdrückt.

Also, finde raus, was Dir hilft! Probier rum, experimentiere mit den verschiedenen Formen und bau Dir Dein persönliches Ritual. Denk dran: Jeder ist anders, jede Kombination von Persönlichkeit/Job/Familie braucht andere Übergänge.

Habt Ihr noch Tipps? Wie kriegt Ihr das hin?! Kommentiert doch mal!

 

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