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Frauenpower – warum der Weg zu unserem wahren Stimmklang Mut braucht

 In Allgemein, Business, Frauen, Innere Haltung, Kommunikation, Selbstbewusstsein, Soft Skills

Vor einiger Zeit hatte ich ein interessantes Telefongespräch. Mit einem Mann.

In der Stadt hingen unsere Plakate mit der Ankündigung für unser Seminar „Starke Frauenstimme“, und das warf scheinbar Fragen auf. „Warum muss es denn ein Seminar nur für Frauen geben? Dürfen da wirklich keine Männer mitmachen?“ 

Ich habe ihm erklärt, was unsere Erfahrungen sind, dass Frauen einen geschützten Raum brauchen, wenn sie neue Dinge an sich ausprobieren wollen; dass die Stimme so intim und tabubelastet ist, dass in der männerdominierten Gesellschaft, die wir vor allem im beruflichen Kontext noch zu oft vorfinden, die Herausforderungen, denen Frauen in Bezug auf ihre Stimme, Wirkung und damit Führungskraft begegnen, belächelt und heruntergespielt werden. 

Gleichzeitig sehen wir auch: Die Männer haben die gleichen Probleme! Aber sie reden nicht darüber, aus Angst, Schwäche zu zeigen, Status einzubüßen, sich zu offen und emotional zu zeigen. 

Doch was steckt dahinter?

Seit diesem Gespräch denke ich immer wieder darüber nach und versuche, ein Muster zu erkennen, einen Trend. Versuche zu erkennen, wo wir gerade stehen in der Entwicklung der Emanzipation von Männern und Frauen.

Denn all diese Dinge sind mehr als nur die Reste eines patriarchalischen Systems, das seit Jahrhunderten auf Macht und Status der männlichen Bevölkerung aufbaut, und klar definierten dualen Geschlechterrollen, die die Kompetenzen immer noch nach „Männerjob“ und „Frauenjob“ aufteilt.

Jetzt gerade ist das System im Wandel, die Generationen, die gerade in den Beruf einsteigen, haben glücklicherweise schon andere Denkweisen als ihre Vorgänger. Und trotzdem sitzen an den entscheidenden Stellen einfach noch Vertreter der Generation, deren Mütter noch nicht wählen gehen durften!

Bevor dieser Artikel jetzt in eine allgemeine Genderdebatte abdriftet – es soll um die Stimme gehen. Um die Stimme der Frauen auf dieser Welt. 

Und gleichzeitig appelliere ich an alle Männer: Lest weiter. Findet Euch wieder und fühlt Euch verstanden. Und agiert nach denselben Grundsätzen: Ohne Scham, mit Offenheit und Verletzlichkeit, auf Augenhöhe mit Eurem Umfeld. 

Die Rollen, die über Frauenstimmen in den Medien kommuniziert werden, sind ähnlich stereotyp wie die Kleidung, die die Kostümbildnerin dazu auswählt. Das Mannsweib, das unschuldige Häschen, die Femme Fatale, die Mutter und Hausfrau, wahlweise die superkompetente Familienmanagerin.

Ich bin sicher, das jeweils passende Bild mit dem passenden Stimmklang ist in Deinem Kopf, wenn Du das liest.

 

Ein wanderndes Klangideal

In den letzten Jahrzehnten sind die Frauenstimmen insgesamt tiefer geworden, das haben Studien herausgefunden. Warum? Vielleicht Hormone, vielleicht die zunehmende Körpergröße, vielleicht die veränderten Rollen.

Aber: In den vergangenen paar Jahren gibt es einen Gegentrend! Besonders in den synchronisierten Serien und Filmen können wir es hören: Frauen sprechen wieder hoch und hauchig, quietschig und supersexy. Was für ein Klangideal, was für ein Rollenbild wird uns hier wieder aufgezwungen?! Wie glaubwürdig sind Inhalte mit dieser Verpackung?!

Das finde ich sehr gefährlich. Denn wir wissen, dass stimmliche Vorbilder unbewusst prägen. Und wir wissen auch, dass sich nicht nur der Stimmklang über die Persönlichkeit bildet, sondern auch die Persönlichkeit über den Stimmklang geformt wird.

Wem hörst Du da zu?

Wir sagen es so oft: Wir selbst sind unser wichtigstes Publikum. Niemand hört uns so viel sprechen wie wir selbst! Was habe ich wohl für ein Selbstbild, wenn ich mich den ganzen Tag als leise, unterwürfig, und bitte nicht störend höre? Wie wäre es anders, wenn meine Stimme von früh bis spät verrucht und sexy klingt? Welchen Eindruck habe ich von mir, wenn ich mit harter, kalter Sprechweise  und metallischem Stimmklang meinen Alltag bestreite? Welche Stereotypen tauchen jetzt vor Deinem inneren Auge auf und vor allem: 

Wie hörst Du Dich?!

Auch das, was wir sagen, spielt eine Rolle. Formulieren wir klar und präzise? Benutzen wir Füllwörter, um um den heißen Brei herumzureden? Reden wir im Konjunktiv oder mit Abschwächungen wie „vielleicht“ oder „eigentlich“? Verschonen wir Menschen mit unserer Wahrheit? Aus Angst, nicht (gut) genug oder zu viel, zu emotional, zu krass, zu peinlich, zu… zu sein?!

Ist das wirklich unsere wichtigste Aufgabe? Und darf das Bedingung sein, um in einer Gemeinschaft, an einem Arbeitsplatz akzeptiert zu werden?

Frauen dürfen ihren Mann stehen

Männer sind schneller bereit, ihren Standpunkt klar zu vertreten. Sie haben gelernt, dass sie dafür belohnt werden, mit mehr Status, Anerkennung und Macht. Frauen, die ihren Standpunkt vertreten, werden immer noch zu oft als zickige Emanzen oder übertrieben emotionale Hormonschleudern betrachtet.

Das bewegt viele Frauen, vorsichtig zu formulieren, den Stimmklang weicher und leiser zu gestalten, weniger anzuecken. Auf Dauer ist das aber auf allen Ebenen anstrengend.

Das Bild, das andere von uns haben (sollen) und diejenigen, die wir wirklich sind, driften auseinander – und manchmal verlieren wir uns selbst unter all den Masken und Schonhaltungen.

Sind „Reservate“ für Frauen die Lösung?!

Ich bin immer noch überzeugt, dass Frauen diesen geschützten Raum brauchen. Nicht für alle Themen, und ein Austausch zwischen allen Geschlechterdefinitionen ist sehr wichtig und richtig. Und vielleicht sind auch geschlossene Männergruppen genauso entscheidend, um die Emanzipation, das neue Rollenverständnis aufzuarbeiten und neu zu definieren.

Frauen müssen sich gegenseitig stärken. Frauen müssen sich gegenseitig zu ihrer Individualität beglückwünschen.

Frauen müssen ausprobieren und erdenken, was sie wollen, unabhängig davon, was andere von ihnen erwarten. Frauen müssen sich lossagen von ihren „Werkseinstellungen“, den Werten und Denkweisen von zig Frauengenerationen, um ihren eigenen Wertekanon zu finden und bewusst neue Denkweisen zu finden.

Und das geht nunmal immer noch leichter in einer Umgebung, die sich nicht so anfühlt wie die „Welt da draußen“.

Frauen müssen auch nicht nur eins sein. Frauen können stark führen und gleichzeitig offen und verwundbar sein. Sie dürfen sexy sein, feinsinnig und trotzdem hart anpacken können. Sie können für andere sorgen und sich auch frei selbst verwirklichen. Und all diese Rollen und die grundsätzliche Freiheit, darüber bewusst selbst zu entscheiden, darf man auch in ihren Stimmen hören.

Eine Frauenstimme darf facettenreich und vielseitig sein. Sie kann leicht von einer Rolle in die andere schlüpfen. Sie muss sich nicht verstellen oder verkleiden, um wem auch immer besser zu gefallen. Das ist nämlich anstrengend und stressig. Viele Stimmprobleme kommen daher.

Wir sind am besten und am gesündesten, wenn wir uns selbst treu sind. Und das gilt auch und ganz besonders für unsere Stimmen. 

Und solange das nicht gesellschaftlicher Standard ist – für alle Geschlechter – wird es bei uns weiterhin Stimmseminare mit dem Stempel „Ladies Only“ geben. Und vielleicht auch mal eins mit „Gentlemen Only“?

Du selbst zu sein erfordert Mut. Das kostet Energie, gibt aber auch so viel Energie zurück, dass die Investition sich erfahrungsgemäß lohnt. Also, sei mutig. Sei Du selbst. Und lass Deine Stimme Dein Aushängeschild sein. Du suchst die Farben aus.

Be yourself. Everyone else is already taken.  – Oscar Wilde – 

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