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„Seinen stimmlichen Heimathafen finden“ – Stimmste?! im Interview mit Sandra Kinkel

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„Seinen stimmlichen Heimathafen finden“

Astrid und Ina Hagenau sind Experten in Sachen Stimme. Im DN-Interview geben sie Tipps für ein besseres Sprechverhalten.

Düren. Warum ist die Stimme so wichtig, wenn man sich selbst präsentieren möchte? Wie beeinflussen Stimme und Sprechverhalten die Wirkung auf andere? Die beiden Schwestern Astrid (30) und Ina Hagenau (34) sind Expertinnen in Sachen Stimme. Astrid Hagenau ist Logopädin und Fachtherapeutin Stimme, Ina Hagenau ist ausgebildete Sängerin. Im Gespräch mit Sandra Kinkel erklären sie, wie man seine Stimme schulen kann und warum es wichtig ist, mit Kindern regelmäßig zu singen.

Warum ist die Stimme so wichtig?

Ina Hagenau: Die Stimme kommuniziert einen großen Teil unserer Persönlichkeit. Natürlich ist das Gesamtpaket wichtig, also unser Erscheinungsbild, der Charakter, das Auftreten. Aber die Stimme macht einfach einen sehr großen Teil dieses Gesamtpakets aus.

Können Sie das näher erklären?

Astrid Hagenau: Menschen mit einer hohen, piepsigen Stimme haben es in Führungspositionen schwer, weil wir solche Personen oft als inkompetent und unsicher wahrnehmen. Anderes Beispiel: Ein Lehrer, der ständig heiser ist, hat eine weniger lebendige Stimme. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass dann auch die Schüler weniger lernen, denn das Zuhören und Aufnehmen von Inhalten wird schwerer.

Ina Hagenau: Wenn die persönliche Stimme stimmt, werden andere Fehler bei einem Vortrag vom Publikum viel leichter verziehen, weil es trotzdem angenehm ist, der Person zuzuhören.

Können Sie ein Beispiel von einer tollen Stimme nennen?

Astrid Hagenau: Das ist eine schwere Frage. Es gibt sehr viele tolle Stimmen. Rufus Beck zum Beispiel hat eine so gute Stimme, dass es einem nichts ausmacht, ihm stundenlang zuzuhören, zum Beispiel bei einem Hörbuch.

Ina Hagenau: Man kann es vielleicht an einem anderen Beispiel noch deutlicher machen. Verona Pooth hat eine eher unangenehme Stimme, die einem dem Eindruck vermittelt, dass man die Sprecherin nicht wirklich ernst nehmen kann. Trotzdem wissen wir ja mittlerweile, dass sie durchaus eine clevere Geschäftsfrau ist.

Worauf kommt es denn bei einer guten Stimme an?

Ina Hagenau: Darauf, dass sie stimmig ist und zu einem selbst passt. Unsere Stimmbänder sind unterschiedlich dick und lang, und jeder Mensch hat seinen eigenen „stimmlichen Heimathafen“. Den gilt es zu finden.

Und wie geht das?

Astrid Hagenau: Mit einem ganz entspannten, wohligen „Mmmmh“ findet man seinen Eigenton am besten. Um diesen eher tiefen Ton herum sollte sich eine lebhafte Sprachmelodie entwickeln. Es ist wichtig, dass die Stimme immer auch an meine Absicht gekoppelt ist und Emotionen transportiert. Was will ich mit meinen Worten erreichen? Abspulen oder begeistern?

Das ist vermutlich gerade für Unternehmer besonders wichtig?

Astrid Hagenau: Genau. Ein Unternehmer, der ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen möchte, sollte sich das immer bewusst machen und in dem Moment, in dem er sein Gegenüber von seinem Produkt überzeugen will, davon auch total begeistert sein.

Was ist mit Eltern, welche Rolle spielt die Stimme bei der Erziehung von Kindern?

Ina Hagenau: Eine sehr große. Was unsere Stimme angeht, kopieren wir sehr oft das Verhalten von anderen. Und das trifft bei Kindern natürlich auch zu, wobei Mädchen sehr häufig eher ihre Mütter kopieren und Jungs ihre Väter. Es ist wichtig, dass Eltern mit den Kindern möglichst viele Experimente mit der Stimme machen.

Experimente?

Ina Hagenau: Ja, ganz tief und dann wieder sehr hoch sprechen und Tiergeräusche nachmachen zum Beispiel. Mit viel Theaterspielen vorlesen, einfach Quatschgeräusche machen. So lernen die Kinder das gesamte Spektrum ihrer Stimme kennen.

Astrid Hagenau: Wichtig ist auch, dass Eltern nicht immer sagen „Sei doch nicht so laut.“ Kinder, die das immer hören, haben es auch spä
ter mit höherer Wahrscheinlichkeit schwer, laut vor einem Raum mit vielen Leuten zu sprechen. Kinder müssen unbedingt auch laut und selbstbewusst sein dürfen. Hinderliche Denkweisen entstehen meist bereits im Kindesalter und können später Grund für den eingeschränkten Zugriff auf die stimmlichen Ressourcen sein. Eltern sollte das bewusst sein.

Hilft Singen, um eine gute Sprechstimme zu bekommen?

Ina Hagenau: Auf jeden Fall. Beim Singen kontrolliert man seine Atmung und nutzt natürlich eine viel größere Bandbreite der Stimme als beim Sprechen. Diese Frequenzen stehen dann auch der Sprechstimme zur Verfügung, um wiederum melodiöser und tragfähiger zu sein.

Hat man als Erwachsener überhaupt noch eine Chance, seine Stimme zu verändern?

Astrid Hagenau: Absolut. Es gibt beispielsweise sehr gute Übungen, die helfen, die Resonanz der Stimme zu erweitern. Wenn man regelmäßig seine Stimme trainiert, kann man sie verändern. Und auch das neue Verhalten geht irgendwann ins Unterbewusstsein über, so dass man beim Sprechen nicht nachdenken muss. Häufig reichen übrigens bereits kleine Interventionen, die eine Stimme tragfähiger und voller klingen lassen. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Stimme nicht losgelöst von der Person und den Ansprüchen, die an sie gestellt wird, betrachtet wird. Ein langfristiger Transfer in den Alltag ist sonst kaum möglich oder die Stimme bzw. das gesamte Auftreten der Person wirkt nicht authentisch.

Wünschen Sie sich, dass in Schule und Kindergarten schon Stimmtraining auf dem Stundenplan steht?

Ina Hagenau: Ich wünsche mir, dass Eltern sich bewusst sind, wie wichtig die Stimme ist. Wenn es keine organischen Fehlbildungen gibt, ist unser Körper sehr effizient. Das gilt auch für die Stimme. Probleme entstehen häufig erst durch schlechte Gewohnheiten, die wir uns angeeignet haben. Wie bei allen persönlichen Fähigkeiten und Talenten sollten Kinder sich auch stimmlich frei entfalten dürfen. Mehr Singen in Kindergarten, Schulen und Elternhaus könnte diese Entfaltungsmöglichkeiten beispielsweise fördern.

Das Interview führte Sandra Kinkel von den Dürener Nachrichten. Vielen Dank dafür!

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