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Wie Du als Sänger eine echte Verbindung zum Publikum herstellst

 In Gesang, Music, Singen, Sonstiges

Ist Töne treffen wirklich das Wichtigste?!

„Ich kann nicht singen, ich treffe die Töne nicht.“ „Ich kann ganz gut singen, jedenfalls treffe ich die Töne.“  Schonmal gehört? Ich schon. Zwei Drittel der Menschheit scheinen davon überzeugt zu sein, dass „Töne treffen“ den größten Teil von „Singen können“ ausmacht. Dem kann ich leider nicht zustimmen. Natürlich ist das AUCH wichtig. Aber eben nicht nur.

Und ich sag Euch auch, warum.

Singen ist vor allem Kommunikation

Wie alle Lautäußerungen des Menschen ist Musik Ausdruck von Gefühl. Das gilt sowohl im Allgemeinen für Instrumente als auch im Besonderen für die Stimme, weil sie das unmittelbarste Instrument ist. Wenn wir ein Gefühl erleben und es in Klang umsetzen, dann weil wir  a) nicht anders können  – zum Beispiel bei Schmerzen oder wenn uns „die Gefühle überwältigen“ und wir unkontrolliert weinen oder lachen – oder b) weil wir dieses Gefühl mitteilen wollen. Einen anderen Grund gibt es erstmal nicht. Später kommt noch die Motivation zur Überzeugung von anderen hinzu (hier genauer erklärt), aber auch da ist die Glaubwürdigkeit von der Echtheit des Gefühls abhängig, damit wir möglichst effizient die Gefühle des anderen beeinflussen können. Wenn wir singen, müssen wir also in erster Linie wissen, WARUM. Denn davon hängt alles andere ab. Sogar, wie wir die Intonation gestalten – also ob wir zum Beispiel sehr genau und direkt intonieren, in die Töne „hineinschleifen“ oder sogar für einen bestimmten Klang Ungenauigkeiten in Kauf nehmen.

Man kann sich darüber streiten, ob SängerInnen, die die Töne nicht treffen, nicht gut singen können. Ich glaube aber, dass SängerInnen, die zwar perfekt intonieren, aber kein Gefühl in ihre Stimme lassen können (oder ihre authentische Persönlichkeit hinter Effekten und Verzierungen verstecken müssen), genauso wenig gut singen können.

Singen erfordert Mut

Eine gute Singstimme, die uns berührt, braucht als Basis einen freien, offenen Klang. Diesen Klang können wir dann formen und  gestalten. Die Voraussetzung für eine freie, offene Stimme ist vor allem eine innere Einstellung, die es uns erlaubt, frei und offen unsere Gefühle zu kommunizieren (s. oben). Ohne diese Freiheit und Offenheit hindern wir diese echten Emotionen daran, gehört zu werden. Vielleicht, weil wir uns schämen oder Angst vor der Meinung der Zuhörer haben. Und wir verhindern unseren authentischen Stimmklang dadurch, dass wir „zumachen“, die Kehle verengen, die Stimme herauspressen oder nach einem Klangideal führen wollen. Im ersten Schritt die Emotionen sehr unmittelbar herauszulassen, um erstmal selbst herauszufinden, wie unsere Stimme reagiert – ohne vorher schon zu urteilen ob das, was gleich kommt „gut“ oder „schlecht“ ist, ist oft das Schwierigste. Denn unser innerer Kritiker ist oft der lauteste… Sich selbst vorurteilsfrei zuzuhören und mit echter Emotion auf der einen, einem wohlwollenden Beobachter auf der anderen Seite dann den Klang zu verändern, ohne der Stimme die Freiheit zu nehmen – meiner Meinung nach eine Königsdisziplin des Übens. Und eine, die alles was man während des Übens tut, effektiver und wertvoller macht. Ist also empfehlenswert, sich das möglichst früh anzueignen ;-).

„Be in the moment“: Singen braucht Präsenz und Achtsamkeit

Sowohl auf der Bühne als auch beim Üben oder Singen zuhause – die Erfahrung für einen selbst UND die Zuhörer wird immer besser sein, wenn man als Sänger bei sich ist. Im Moment, im Körper, in Verbindung mit den diversen körperlichen, geistigen, seelischen Zuständen die man gerade so hat. Genau zu erspüren, worum es einem selbst gerade geht, wie man auf die Sekunde vorher reagiert hat und wie dann die logische nächste Aktion ist, wie der Weg kurz hinter und vor mir aussieht, ohne sich von der Außenwelt beeinflussen zu lassen, das ist der erste Schritt. Konzentration und Fokus auf das Wesentliche – die Emotion und nötigen Energielevel. Schließlich hat es das Publikum verdient, dass wir uns voll und ganz auf das konzentrieren, wofür wir dort stehen – und nicht, dass wir nebenher an den Einkaufszettel für morgen denken…

Von diesem Punkt aus – dieser Verbindung zu sich selbst, die man unbedingt braucht, um an seine Emotionen ranzukommen – richten wir unsere Strahlkraft nach außen, zu unserem Publikum.  Es kann helfen, sich dieses „nach außen strahlen“ visuell vorzustellen, oder als eine fühlbare Energie, die in uns wächst und sich über die Grenzen des Körpers hinaus ausdehnt. Ich weiß, das klingt esoterisch, klappt aber. 😉 Hier steht noch mehr zum Thema. Und wenn diese beiden Verbindungen stabil sind, dann können wir eine weitere aufbauen – die von außen zu uns. Denn dann „füttern“ wir unsere Energie mit der, die von unseren Zuhörern und Mitmusikern zurückkommt – aber nur, solange sie positiv ist! Wir sollten uns nie auf diese Energiequelle verlassen und unsere Singerfahrung davon abhängig machen, denn oft genug gibt es sie nicht. Macht Euch Eure Singerfahrung von Euch selbst und lernt, selbst Euer Wunschpublikum zu sein. Dann macht es  auch auf langweiligen Veranstaltungen Spaß, auf denen alle laut reden und Euch nicht zuhören… Denn Euer größter Fan ist immer dabei!

Singen braucht musikalisches Verständnis

Ein guter Sänger ist nicht nur „Sänger“, sondern Musiker. Er beschäftigt sich freiwillig damit, die Musik, die er macht, auch zu verstehen. Das bedeutet: Lernt Musiktheorie, Noten, Harmonielehre, damit Ihr die Sprache der anderen Musiker sprecht. Kümmert Euch darum, dass Ihr rhythmisch präzise und konstant singt. Es macht das Leben so viel einfacher und schöner.

Seid dankbar für Euer Talent! Viele Sänger benutzen ihre exponierte Position auf der Bühne dazu, zur Diva zu werden, die nichts anderes kann als ihre Stimme und ihr hübsches Gesicht zu präsentieren. Musik entsteht aber erst durch die Verbindungen, die wir zur Band und Publikum herstellen. Je weiter wir uns gedanklich von ihnen entfernen, ja uns vielleicht sogar über sie stellen (weil wir ja schließlich die tollen Sänger sind), desto schwieriger wird es, diese Verbindung zu schaffen und aufrecht zu erhalten. Und dann verlieren leider alle. Wäre doch schade nach der ganzen Überei, oder?

 

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