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Stimmbewusstsein bei Schüler*innen – Leichtigkeit für die Lehrkraft

 In Innere Haltung, Kommunikation, Körperhaltung, Präsentation, Reden, Schule, Stimme allgemein, Vortrag, Vortragen

von Ina Hagenau

EIN HARTER JOB

Dein Unterrichtsjob ist megahart? Ständig quatschen die Schüler*innen, das Luftreinigungsgerät brummt oder die Baustelle vor dem offenen Fenster sabotiert Deine noch so kräftige Stimme hinter der Maske?  Du gibst einen Auftrag, und keiner hört zu?Kennst Du, oder?Gefühlte tausend Mal musst Du die EINE Frage beantworten, über die Ihr doch schon letzte Woche gesprochen habt. Im Sportunterricht überlegst Du ernsthaft, den Schüler*innen Morsecode beizubringen, damit Du nur noch mit der Trillerpfeife kommunizieren kannst. Denn ja, der akustische Optimierungsbedarf in unseren Schulen ist hoch, sowohl in den Klassenzimmern als auch in den Turnhallen, Aulen, Musik- und Chemieräumen.Und ja, die Corona-Pandemie erschwert mit ihren Hygienemaßnahmen ebenso ein leichtes, effektives Verstandenwerden.

ABER WAS WÄRE WENN

… immerhin schonmal die Schüler*innen wüssten, wie sie Dir und sich selbst den Unterricht, das Verstehen und Lernen erleichtern könnten?Denn so stark das Bewusstsein bei denen ist, deren Stimmbänder schmerzen – bei allen anderen ist es nicht vorhanden! Kannst Du ihnen dabei helfen, mehr Bewusstsein für die eigene Stimme und Wirkung zu erlangen – und Dir damit selbst helfen?Wir sagen ganz klar: JA!

Und wir sagen auch: Damit tust Du nicht nur Dir einen Gefallen, sondern auch Deinen Schüler*innen.

BEWUSSTSEIN, SELBSTWAHRNEHMUNG, BEWUSSTSEIN

Kommunikationsthemen könnten sowohl Thema in Sozialwissenschaften als auch in Biologie sein. Die Funktionsweise des Stimmapparates ist in keinem Lehrplan vorgesehen, dabei ist die Stimme unser aller wichtigstes Kommunikationstool,  zusammen mit unserer Körpersprache.Das Bewusstsein für die eigene Wirkung, für achtsame, klare und gewaltfreie Kommunikation sowie gelungene, souveräne Präsentationen und Referate sind Soft Skills, die später in jedem Bewerbungsgespräch und in vielen, vielen Berufen dringend gesucht werden. Und diese Fähigkeiten kannst Du (besonders mit älteren Schülern) in jedem Schulfach integrieren, indem Du einen kleinen Exkurs machst, bevor eine Runde Referate verteilt wird oder  mündliche Prüfungen vor der Tür stehen.Je früher ein solches Bewusstsein entwickelt wird, desto selbstverständlicher wird es, dass auch Schüler*innen schon darauf achten, wie sie wirken – und zwar aus sich selbst heraus, nicht weil ihnen Eltern oder Lehrer sagen, wie sie zu sein haben!Denn vor allem in der Pubertät (gern auch schon früher) stellt sich ja die Frage: Wer möchte ich sein? Wie möchte ich sein? Wie muss ich mich verhalten, wie muss ich wirken, damit ich so sein kann, wie ich will? Wie verhalte ich mich jetzt? Passt das zusammen? Die Stimmarbeit setzt an einer Ecke der persönlichen Entwicklung an, genau wie die schulische Bildung an einer anderen Ecke ansetzt.Gib Deinen Schüler*innen die Chance, darüber nachzudenken, indem Du die richtigen Fragen stellst, ohne dass es eine richtige Antwort gibt – in der Schule oft sehr ungewohnt! Aber: Wir lernen doch fürs Leben, oder?

Und die „richtige“ Antwort im Leben fällt oft sehr unterschiedlich aus, bleibt aber individuell „richtig“.

EXPERIMENTE

Ganz nebenher kannst Du kleine Experimente machen, in denen auch Schüler*innen von ihren Erfahrungen vor der Klasse berichten dürfen (z.B. mit kleinen Stegreifreden), wenn während ihrer Rede der Geräuschpegel steigt, abwehrende Körpersprache benutzt wird oder wie der Unterschied mit offenem/geschlossenen Fenster ist – besonders wenn es eine Baustelle oder laute Straße gibt.

Diese Übungen zwingen die Schüler*innen dazu, ihre Wirkung zu überprüfen:Versteht man mich noch?Kann ich deutlicher reden? Wie macht man das?Wie kann ich lauter sein? Wie fühlt sich das an (im Hals, im „Herzen“)?Bin ich mutig genug? Nervös?Was macht das mit meiner Körperhaltung, Atmung, Stimme?Kann ich noch klar denken, meine Gedanken strukturiert vorbringen?Was passiert, wenn mir jemand widerspricht?Sind meine Argumente stark genug?Bin ich einer Diskussion zu meinem Thema gewachsen?

PERSÖNLICHER WACHSTUM

Du siehst, wieviel persönliches Wachstum aus einem einzigen kleinen Referat hervorgehen kann – wenn man als Lehrer*in die richtige Begleitung dazu an die Hand gibt und neben dem Inhalt (der natürlich auch wichtig ist, siehe „Argumente“) auch die Form bespricht und die Erfahrung, die jede*r Schüler*in vorne vor der Klasse macht. Und wäre es nicht für alle Beteiligten total toll, wenn man den gehaltenen Referaten gut folgen könnte und aufmerksam zugehört würde? Weil die/der Vortragende und begeisternd und ausdrucksstark über das Thema berichtet?

Anstatt sich zu langweilen oder gespannt darauf zu warten, wann der erste Verhaspler kommt und man dann Zeuge*in des Untergangs wird…?

DIE KLASSE HELFEN LASSEN

In unseren Gruppenworkshops (auch mit Kindern und Jugendlichen!)  kommen übrigens fast alle guten Tipps, wie man mit solchen Situationen umgeht, aus der Gruppe – wir ergänzen nur bei Bedarf, vertiefen und vervollständigen das Bild.Welche Tipps haben Schüler*innen, die solche Aufgaben souverän erfüllen und sich vor der Klasse relativ entspannt und wohl fühlen, für die, die nervös und unsicher sind/wirken? Kann die Klasse wertschätzend Feedback geben?

Eine solche Praxis fördert das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe und lässt auch Bewertungen untereinander schwerer zu – die Starken helfen den Schwächeren, und wenn ihre Hilfe Wirkung zeigt, sind alle Beteiligten sehr stolz!

STIMME UND WIRKUNG SELBST ENTDECKEN DÜRFEN

Besonders in der Grundschule (aber auch später noch!) möchten Kinder viel selbst ausprobieren – und das können sie auch mit der Stimme! Eine „unserer“ Lehrerinnen startet mit der Klasse mit Stimmspielen in den Tag – angefangen bei kleinen Körperreisen und Atemübungen, die auch die Konzentration fördern und Ruhe in einen trubeligen Tag bringen, über Stimmexperimente, bei denen die Kinder ihre Stimme überhaupt erst einmal bewusst wahrnehmen, während sie sie benutzen.Und natürlich hören sie dann auch bei den anderen genauer hin und zu. Und die Lehrerin kann sich immer wieder selbst auf ihre eigene Stimme konzentrieren und auf ihre eigenen Ressourcen achten.Diese Einheiten müssen nicht mehr als fünf Minuten am Tag beanspruchen, sie können aber die Atmosphäre und den „Ton“ eines ganzen Schülerlebens nachhaltig beeinflussen. Hier ganz wichtig: NIEMALS wertend kommentieren!Auch ein Lob ist eine Wertung. Was ihr loben dürft, ist den Prozess, den Mut, hörbar zu sein, dass jemand mitmacht, usw.Bitte niemals das stimmliche Ergebnis bewerten, sowieso nicht vor der Gruppe.
Jede Stimme ist einzigartig und erstmal super, wie sie ist, und das Ergebnis ist sowieso nicht wichtig. Die Erfahrung, die die Schüler*innen im Prozess, während des Experiments oder der Übung machen, ist unendlich viel wichtiger.Ihr dürft gern mal fragen: Tat jemandem etwas weh? Das sollte natürlich nicht so sein. Dann darf er oder sieWas war besonders schön oder angenehm?Jede*r darf selbst entscheiden, ob er oder sie das, was sie gerade stimmlich hörbar gemacht haben, angenehm oder schön fanden oder eher unangenehm.Es ist immer hilfreich, nach den Aspekten zu suchen, die angenehm waren – sei es eine angenehme Vibration, ein lustiges Kieksen, ein schöner, weicher Ton oder das weite Gefühl im Körper, nachdem man die Atemräume gedehnt hat.Die Stimme, die dabei hörbar wird, ist nur ein Nebenprodukt, ein „Kollateralschaden“, wie ich oft sage und sehr unwichtig.

WAS MACHT DIE ARBEIT MIT KINDERN UND JUGENDLICHEN?

Diese Arbeit hilft, Selbst-Bewusstsein und Selbstwirksamkeit zu entdecken.Sie macht mutig und stark.Sie gibt Werkzeuge zur Selbstregulation an die Hand, die viele Kinder nicht (mehr) haben.Sie macht es möglich, sich selbst zu spüren und gibt Gelegenheit zur Selbstbezogenheit (die gern auch wieder zur Gruppenbezogenheit geführt werden darf, zum Beispiel mit Zuhör-Übungen).  Gibt es irgend einen Aspekt, bei dem Du als Lehrkraft nicht profitierst?Was hindert Dich daran, diese Dinge in Deinem Unterricht umzusetzen?Was würde Dir helfen, solche Ansätze mit Deinen Schüler*innen zu verfolgen? Hinterlasse uns gerne einen Kommentar. Liebe Grüße
Deine Ina

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