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Stimmfit ins neue Schuljahr – Unsere 7 besten Tipps für Lehrer und Dozenten!

 In Innere Haltung, Körperhaltung, Reden, Richtig Reden, Selbstbewusstsein, Sonstiges, Stimme allgemein, Stimmhygiene, Stimmpflege

 

Studien zeigen seit Jahren: Die Stimmen von Lehrern und Dozenten sind in ihrem Beruf stark gefordert – und manchmal sogar überfordert. 40% (!) der Lehrer haben Stimmstörungen aufgrund von falscher oder Überbelastung und müssen zum Logopäden. 

Und wie so oft funktionieren die Übungen super im Trainingsraum, doch sobald der Patient in seiner gewohnten Arbeitsumgebung agiert, setzen auch alte, stimmschädigende Verhaltensmuster wieder ein. Schade, dass das wichtigste Arbeitsmittel der Lehrer und Dozenten nicht schon im Studium grundlegend trainiert und getestet wird – so mancher dauerhafte Ausfall und viel Frustration könnten vermieden werden!

Wir haben zum Schulanfang unsere 7 besten Tipps für die LehrerInnen und Vielsprecher unter Euch zusammengestellt und wünschen Euch einen motivierten und gelassenen Einstieg ins neue Schuljahr!

 

1. Check in

Deine Stimme ist ein veränderliches Organ und jeden Tag ein bisschen anders drauf – so wie Du. So wie wir uns selbst aber vor dem Arbeitstag (möglichst) in eine positive, passende Gestimmtheit bringen, können wir das auch mit der Stimme tun. Eine kleine Inventur:
Frage Dich: Wie fühle ich mich? Körperlich? Emotional? Wenn ich nicht fit bin – kann ich dann von meiner Stimme Höchstleistungen erwarten? Nein, wahrscheinlich nicht, denn die Stimme ist Teil meines Körpers und spiegelt mein Befinden. Sei dann nachsichtig mit Dir selbst. Versuche, nicht zu laut zu sein, ruhigere Unterrichtseinheiten zu gestalten und konsequent Pausen zu machen. Aufwärmen ist trotzdem gut.
Alles okay? Dann machen wir der Stimme den Weg frei für optimalen Klang!

2. Warm-Up

Genau wie vor einem Marathon Deine Beine freut sich die Stimme vor einem langen Unterrichtstag über ein kleines Aufwärmprogramm. Stelle Dich auf beide Füße und spüre den Boden. Lockere die Knie, richte das Becken auf, lass den Bauch locker. Hebe beide Arme über den Kopf (Schultern weg von den Ohren) und dehne die Flanken, erst zur einen, dann zur andern Seite. Schicke Deinen Einatem dabei in den Bauch und die Seiten. Mit einem tiefen Seufzer lass die Arme schwer wieder hinunterfallen. Das tat gut? Dann seufz ruhig nochmal! Seufzen oder Gähnen entspannt übrigens auch zwischendurch in Sekundenschnelle die Stimme – immer mal wieder machen! Leises Summen um Deinen Eigenton herum (kein Druck, bitte) oder Laxvoxen lässt die Stimmbänder sanft und effizient schwingen. Du bringst sie in eine optimale Startposition, um auch den Tag über gesund zu sprechen. Mach auch noch ein bisschen Gesichtsgymnastik, um die Artikulationswerkzeuge aufzuwecken. Eine gute Artikulation verleiht der Stimme Tragfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, gute Verständlichkeit und einen lebendigeren Ausdruck. Nochmal kurz nachspüren: Bist Du bereit? Gut!

3. Die Form halten

Jetzt bist Du in einem optimalen Zustand, aufgewärmt, gedehnt, und freust Dich natürlich auf Deine Schüler. Und dann passiert es: Die Klasse ist unruhig, Du musst laut werden, und Du merkst: Das war jetzt grad ziemlich anstrengend für die Stimme. Und Du hast auch gar keine Lust, weiter zu reden. Was jetzt? Aus der Bahn geworfen für den Rest des Tages? Das muss nicht sein.
Du kannst Dich ganz schnell wieder in Deine Startposition bringen. Je öfter Du die folgenden Punkte zwischendurch checkst, desto schneller werden sie ein Teil Deines Verhaltens – Du verhältst Dich irgendwann automatisch stimmgesund!
Checke Deinen Stand. Hast Du genug Bodenhaftung, um Deinen Standpunkt zu vertreten? Sind Knie und Becken flexibel genug, dass Du auf mögliche Zwischenfälle schnell reagieren kannst?
Checke Deinen Bauch. Hat er seine Schutzfunktion wahrgenommen und ist fest? Lass locker. Gähne innerlich, um eine tiefe Atmung zu fördern, und wenn es angebracht ist, kannst Du auch die vergangene Situation mit einem Seufzer loslassen.
Checke Deinen Hals und Dein Gesicht. Lass auch hier los. Entspanne Kiefer, Lippen und Stirn. Mache Deinen Blick wieder weicher und lächele Dich innerlich an. Und weiter geht´s!

4. Sprich mit uns!

Schüler oder Studenten sind auch nur Menschen. Die möchten, dass man ihnen auf Augenhöhe begegnet und auch so mit ihnen spricht. Auch wenn sie manchmal einen anderen Eindruck machen. Versuche, beim Erzählen im Unterricht immer eine/n Einzelne/n anzusprechen. Wenn der oder diejenige Dir zuhört, hast Du auch die Aufmerksamkeit der Umsitzenden. Wechsele den Ansprechpartner und versuche wirklich ZU der Person zu sprechen, dir dort vor Dir sitzt, und die Du kennst. Wenn wir uns nicht angesprochen fühlen, nehmen wir nichts von den Inhalten auf, die vermittelt werden. Sorge dafür, dass es eine Möglichkeit zur Identifikation mit dem Thema gibt – schlage Brücken! Es ist sehr wichtig, dass Du selbst auch von dem Thema begeistert bist. Denn warum sollte ich von jemandem etwas annehmen wollen, der selbst von der Wichtigkeit nicht überzeugt ist?! Und eine emotionale Haltung bedingt eine ausdrucksvolle, begeisternde Sprechweise, die zum Zuhören zwingt, ohne laut zu sein.

5. Endlich Pause…

Puh, die ersten beiden Stunden geschafft! Jetzt tut es gut, sich im geschützten Raum des Lehrerzimmers zu räkeln und zu strecken, zu gähnen und zu seufzen was das Zeug hält. Und ein Minütchen für Laxvox ist auch drin. Versuche, die Pausen auch für eine Stimmpause zu nutzen, auch wenn das Wochenende spannend war. Lass lieber die anderen erzählen.  Außerdem ist es jetzt schön, wenn Du ein Erste-Hilfe-Set für Deine Stimme immer da hast. Eine Kanne Tee (ich empfehle immer den „Halswärmer-Tee“ von Yogitee) oder Wasser, Deine Lieblingshalsbonbons (zum Beispiel Isla Moos, Ipalat, Emser Salz oder die guten alten Ricolas), einen Schal oder ein schönes Tuch, falls es zieht. Für´s Pausenbrot: Achte mal darauf, welche Nahrungsmittel Deiner Stimme gut tun. Manche sind eher hinderlich, weil sie zu sehr den Speichelfluss oder die Schleimproduktion anregen. Das ist aber bei jedem anders. Hier ist Dein Forschergeist gefragt!

6. Let´s get loud!

Wenn Du Pausenaufsicht hast, SportlehrerIn bist oder einfach mal durchgreifen musst, dann geht es manchmal nicht ohne eine gewisse Dezibelzahl – Du musst „laut werden“.
Wichtigster Grundsatz erstmal wieder: Werde von einem guten Stand aus laut. Begib Dich in eine Haltung, die Größe und Autorität ausstrahlt. Erhebe die Stimme raumgreifend, nicht schrill – das wirkt nicht autoritär, sondern hysterisch. Rufe, schreie nicht – und versuche die Kraft dafür aus der Tiefe zu holen, aus Deiner Bodenhaftung, Deinen Knien, dem Unterbauch – nicht aus der Magengegend und nicht aus dem Hals! Öffne den Mund, lass den Kiefer locker – Du willst, die Botschaft doch herauslassen, oder?! Wenn Du Dir nicht sicher bist, wie weit Du den Mund öffnest, bitte wohlwollende Kollegen doch mal um Feedback oder übe vor dem Spiegel, damit Du ein Gefühl dafür bekommst.
Betone beim Rufen die Vokale, nicht die Konsonanten. Vokale tragen Deine Botschaft weit und meist unmissverständlich, auch wenn mal die Konsonanten nicht so hörbar sind. Forme die Vokale gut aus – auch das lässt sich gut vor dem Spiegel üben.
Achte immer darauf, dass Deine Stimme ungehindert laut sein kann und Du keine Schmerzen oder Hustenreiz nach dem Rufen verspürst. Sollte das dauerhaft der Fall sein: Mach vielleicht doch mal ein paar Einheiten Stimmtraining oder Logopädie, das kann Dich weiterbringen und verhindern, dass Du langfristig Deinen Stimmbändern schadest.

Immer wichtig in Situationen, die naturgemäß emotionsgeladen sind: Lass wenn möglich einen Teil von Dir außen vor, der die Situation beobachtet und mit dem Du nachher beurteilen kannst: Was habe ich gemacht, war meine Handhabung und Wirkung so wie gewollt, hätte ich etwas anders machen wollen? So kannst Du von Dir selbst lernen.

Die einfachste Möglichkeit, den Stimmapparat zu trainieren und die Stimmuskulatur kräftig und flexibel zu bekommen, ist übrigens Singen. Und da reicht tatsächlich leises Summen bei der Hausarbeit oder zum Radio – allerdings möglichst oft!

7. Mach die Stimme zum Thema!

Eine schöne Möglichkeit, auch Deine Schüler auf die Ressource Stimme aufmerksam zu
machen, ist, das Thema Stimme und Rhetorik für einige Einheiten in den Unterricht einzubauen, beispielsweise vor einer Reihe Referate. Dafür solltest Du Dich natürlich schon ein bisschen eingehender mit Deiner eigenen Stimme befasst haben und vielleicht ein paar Bücher zum Thema gelesen haben. Am besten ist es, wenn Du schon ein oder mehrere Kurse bei einem guten Lehrer gemacht hast.
Die Präsentationsfähigkeit Deiner Schüler wird verbessert – das ist in allen Laufbahnen wichtig, ob in Bewerbungsgesprächen oder im Studium, ob als Ingenieur oder Kaufmann. Deutliche Aussprache und gute Ausdrucksfähigkeit, ein großer Wortschatz, eine volle Stimme, gute Haltung und vor allem – innere Haltung (zu wem spreche ich, kann ich warten, bis mir alle zuhören, hab ich Angst oder bin von meinem Thema begeistert), lese ich ab oder spreche ich frei… Alles Parameter, die – bewusst gemacht – schnell veränderbar und verbesserbar sind! Und ist einmal eine Aufmerksamkeit für diese Themen geschaffen, lernen wir automatisch unbewusst von allen guten Beispielen, die wir sehen und hören.
Gute Nebeneffekt: Du schaffst ein Bewusstsein dafür, wie es ist, gegen eine Geräuschkulisse anreden zu müssen…

Wer noch mehr lesen möchte, dem empfehlen wir ein Buch von unserer Kollegin Ingrid Amon, die sich hier mit der Stimme von Lehrern und Lehrerinnen speziell auseinandersetzt und viele gute Tipps und Tricks auf Lager hat.

Ihr habt noch Tipps und Tricks für die KollegInnen, die ich nicht aufgelistet habe, auf die Ihr aber nicht mehr verzichten möchtet? Dann postet sie doch in die Kommentare!

 

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