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Warum brauchen wir Anerkennung?

 In Sonstiges

Was ist eigentlich Anerkennung? Wissenschaftler sagen, es ist vielleicht die stärkste Motivationsdroge, die es gibt: Unser Gehirn braucht Anerkennung so wie unser Körper Nahrung und Schlaf.

Das Streben nach Anerkennung ist es, was uns im Job Überstunden machen und regelmäßig zum Frisör gehen lässt. Und die Angst davor, diese Anerkennung nicht zu bekommen, nicht gut genug zu sein, resultiert in Bühnen- und Versagensangst, Burnout und Depression. Werden wir als Person und unsere Arbeit nicht wertgeschätzt, werden wir antriebslos, unzufrieden und nachlässig. 

Anerkennung ist die ultimative Belohnung für „gutes“ Verhalten. Und „gut“ bedeutet in dem Fall: Der sozialen Gemeinschaft dienlich, in der wir uns bewegen. Sie bedeutet, dass wir von den anderen gesehen, wahrgenommen und bestätigt werden. Evolutionsbiologisch ist eine Zugehörigkeit zur Gruppe existentiell wichtig: Ohne diese Zugehörigkeit konnte ein Mensch nicht überleben, nicht genug Nahrung finden, keine Fortpflanzung betreiben, sich nicht gegen Fressfeinde wehren. Folge: Das Programm „soziales Wesen“ installierte sich in unseren Gehirnen.

Babys wollen gesehen werden

Als Babys und Kleinkinder schon reagieren wir intuitiv so, dass wir die An-Erkennung unserer Eltern bekommen.
Und hier beginnt der große Einfluss, den unsere Eltern auf unser späteres Leben haben: Auf ihre Erwartungen und Wünsche an uns reagieren wir zuerst, und die jetzt erlernten Verhaltensweisen verankern sich tief in unserem Unterbewusstsein. So wird es sehr wahrscheinlich, dass Kinder, die immer für gute Leistungen gelobt wurden, auch später unbedingt diese Art von Anerkennung suchen, um sich „gut genug“ zu fühlen. Andere werden früh zu Verantwortung und Zurückstecken vor den Bedürfnissen anderer erzogen: Diese Kinder werden es später schwer haben, auch einmal an sich selbst zu denken und für sich selbst zu sorgen.
Denn suchen wir nicht nach der Anerkennung anderer, weil wir denken, wir seien nicht genug? brauchen wir nicht die Aufmerksamkeit anderer, weil wir denken, wir selbst seien unserer eigenen Aufmerksamkeit nicht wert? Üben wir vielleicht manchmal zu viel, zurückzustecken?

Bin ich genug?!

Kinder und Babys, die keine oder sehr wenig Anerkennung und Zuwendung erhalten, wachsen zu Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl heran. Für sie ist es im Erwachsenenleben schwer, Lob anzunehmen, sich an Aufgaben heranzutrauen, sich selbst zu motivieren. Um zufrieden mit sich zu sein, brauchen sie die Bestätigung anderer. Und wie das bei Drogen so ist: Irgendwann braucht man mehr für den gleichen Effekt.
Und das Gefühl bleibt: Ich bin nicht genug. Nicht schön genug, nicht fleißig genug, nicht tapfer genug, nicht schlau genug, nicht kreativ genug, nicht gut genug.

Um Anerkennung zu erhalten, tun wir viel: Um den Eltern zu gefallen, entscheiden wir uns für Berufe, die uns nicht interessieren und die nicht unseren Neigungen entsprechen. Um zu einer Peer Group dazuzugehören, werden Jugendliche mit geringem Selbstwert zu Extremisten. Oder Menschen schließen sich einer Sekte oder Religionsgemeinschaft an. Wir machen Überstunden ohne Bezahlung, um dem Chef aufzufallen und gelobt zu werden.

Wir wachsen mit unserem Selbstwert

Lernen wir jedoch von Anfang an, dass wir immer einen Wert für unsere Bezugspersonen haben, egal was wir tun, erfahren wir also z. B. von unseren Eltern bedingungslose Liebe, und wird in unserem Umfeld großzügig und frei mit Lob, Dankbarkeit und Anerkennung umgegangen, dann wächst unser Selbstwert und wir mit ihm. Wir werden stärker und mutiger, unabhängiger in unseren Entscheidungen und Handlungen, freier und kreativer. Wir lernen schneller und gründlicher, weil wir es ohne Druck tun. Das körpereigene Motivationssystem reagiert schneller und besser auch auf kleine Erfolge.

 

Wir können uns nur selbst stärken, um andere zu stärken!

Was können wir also tun, um unseren Selbstwert auch im Erwachsenen- oder Jugendalter noch zu stärken? Es ist nämlich ganz schön schwer, mit alten Denk- und Verhaltensmustern zu brechen.

Wir könnten erst einmal wieder lernen, uns zu spüren – und das nicht nur im Bezug auf andere. Unsere Gedanken und Gefühle als berechtigt und wertvoll anzuerkennen. Unsere eigenen Bedürfnisse zu erkennen, zu akzeptieren und danach zu streben, sie zu erfüllen. Unseren Körper wahrzunehmen, in all seinen Stärken und Schwächen. Dankbarkeit zu üben. Uns mit Menschen zu umgeben, die uns wertschätzen, so wie wir sind. Die keine Forderungen oder Ansprüche an uns stellen. Die mit uns lachen und reden und singen und uns umarmen. Zum Beispiel in einem Chor. 😉
Und wenn wir erfahren haben, was das mit uns macht: Es weitergeben. Wir könnten unsere Kinder und Enkel bindungsorientiert großziehen und nicht die elterliche Liebe davon abhängig machen, ob das Kind mit sechs Monaten schon allein im eigenen Zimmer durchschläft oder mit sechs Jahren schon Englisch spricht.
Wir könnten öfter und besser loben: Unseren Mitmenschen einfach mal häufiger sagen, was genau wir an ihnen schätzen, wofür wir gerade dankbar sind. Ganz besonders, weil wir eigentlich hierzulande gewohnt sind, dass „Lob schon ist, wenn nicht gemeckert wird“! Das fällt zu Beginn vielleicht schwer, fühlt sich komisch an, aber das gibt sich schnell und das Ergebnis ist es wert!

 

Unsere Sprache bestimmt unsere Gedanken: „Danke“ statt „sorry“

Eine einfache Änderung unserer Sprache kann auch Wunder wirken: Statt uns ständig für unser Verhalten zu entschuldigen, bedanken wir uns doch einfach mal! „Danke für Deine Geduld“ statt „Entschuldige, dass ich so spät bin“ bringt dem anderen ein viel besseres Gefühl – und uns auch!
Also, lasst uns die Welt besser machen!

 

 

Nur eigne Kraft weiß fremde Kraft zu würdigen.
Julius Grosse

 

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