fbpx

Warum Langsam das neue Schnell ist

 In Business, Chor singen, Entspannung, Gesang, Gesangsstunden, Innere Haltung, Mehrwert, Selbstbestimmung, Selbstbestimmung, Sonstiges, Zeit

von Natascha Petrarca

DAS HAMSTERRAD

Kennst Du das?
Sobald Du morgens die Augen aufschlägst, rattern Deine Gedanken durch all die vielen Aufgaben, die heute anstehen werden.
Frühstück machen, Kinder für die Schule vorbereiten, kurz mal eben durchsaugen, dann schnell zur Arbeit hetzen und auch hier ist die Aufgabenliste schon viel zu lang für einen regulären Arbeitstag.
Dann raus aus dem Büro, Kinder einsammeln, schnell noch was einkaufen, zurück nach Haus, Hausaufgaben betreuen, gleichzeitig das Abendessen bereiten noch schnell etwas Papierkram erledigen…und Zack, Tag vorbei.

Warum machen wir das?
Für mehr Geld, Erfolg, Rente und Anerkennung?
(Bekommen wir die am Ende tatsächlich auch?)
Weil es andere erwarten? Weil man das eben so macht?
Und wie geht es uns am Ende des Tages, der Woche, des Lebens dabei?

Diese Leistungserwartung, dieser Druck und diese Geschwindigkeit wurden uns anerzogen (vermutlich von Eltern, die dies ebenso erlebt haben).

 

ERZWUNGENE ENTSCHLEUNIGUNG – DANKE

Ich hatte das Glück, viele Jahre im Süden Europas Leben zu dürfen.
Etwas, was mich am Anfang schier in den Wahnsinn getrieben hat, war die Langsamkeit. Menschen, die unglaublich langsam aus Autos und Straßenbahnen aussteigen, ewig brauchen ihre Scheckhefte an der Kasse zu suchen, gefühlt grundsätzlich im Weg rumstehen und auch bei der Arbeit oft ziemlich viel Zeit „verplempern“, um Privates zu erzählen, Mittagspausen, die oft mal überzogen werden.
(An dieser Stelle möchte ich diesen Eindruck ausschließlich auf die Region in der ich (lange) gelebt und gearbeitet habe, beziehen und jegliche negative Wertung herausnehmen.)
Durch meine antrainierte Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Ordnung habe ich keinerlei Vorteil gehabt. Man kann noch so früh aufstehen, wenn der Bus zu spät ist oder streikt, kommt man trotzdem zu spät.
Wenn alle Fußgänger vor einem langsam laufen, weil es heiß ist, hilft rennen eben gar nichts. Und wenn (äußerst liebenswerte, aber etwas chaotische Kollegen) oft mal fünf gerade sein lassen, frustriert einen der eigene Ordnungswahn am Ende. Mit jedem Jahr im Süden habe ich mich zwangsweise etwas mehr an die Nicht-Geschwindigkeit angepasst.
Ich habe ENTSCHLEUNIGT, ganz gegen meinen Willen. Heute bin ich dankbar für diese Erfahrung.

 

LEBENSZEIT

Das allseits präsente Mantra von „Wir arbeiten, um zu leben und leben nicht, um zu arbeiten.“ hat sich auch in mir festgesetzt.
Dabei rede ich hier nicht vom Faulenzen-mitnichten!
Ich rede davon, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Zeit für ein gutes Essen, ein schönes Glas Wein, eine Tasse Tee. Pausen auf einer Bank im Park mit einem spannenden Buch.
Ein tolles Gespräch mit Freund*innen oder Kolleg*innen. Einen Schritt langsamer gehen, um den Himmel, die Bäume oder die Fassaden hübscher Häuser zu betrachten, ein Lied des Straßenkünstlers zu hören.
Es geht darum Zeit für ein Hobby, eine Leidenschaft einzuplanen und daran festzuhalten. Yoga, Chor, Stricken, Buchclub, Gesangsunterricht, eine Band, Klettern…was auch immer.
Ich rede davon, Zeit für Partner*innen und Familie oder Freunde fest einzuplanen und sich zu trauen „Nein“ zu sagen, wenn einem schon wieder eine neue Schicht oder eine weitere Aufgabe aufgebrummt wird.
(Weil vermutlich jemand anderes endlich „Nein“ gesagt hat.)

Die Folge dieser Entschleunigung ist, dass ich zufriedener, glücklicher und entspannter bin. Dass mir der Wert der Zeit bewusst wurde. Diese Lebenszeit gibt mir niemand zurück, wenn ich sie mir nicht ganz bestimmt nehme. Kein*e Arbeitgeber*in, kein*e Dozent*in, kein*e Kolleg*in, kein Arzt, keine Ärztin. Niemand. Eine andere Konsequenz ist, dass ich zurück an meinem Arbeitsplatz motiviert, konzentriert und frisch voller Ideen meine Aufgaben beginnen kann, dass ich geduldiger und besser gelaunt mit meinen Mitmenschen umgehe und dass ich weniger oft krank, müde oder erschöpft bin.

 

WENIG UND LANGSAM MACHT FREI

Mehr und schnell ist nicht zwangsweise besser. Weniger und langsam mach unheimlich frei.
Manchmal stößt diese Einstellung auf Unverständnis, vor allem im Land oder besser in der Gesellschaft der griesgrämig schauenden, gehetzten Menschen :D.
Einige Menschen verurteilen einen schnell als träge und faul, andere haben Lust darüber zu sprechen und probieren es aus.

Was denkst Du darüber?

Deine Natascha

Recommended Posts

Leave a Comment

Start typing and press Enter to search